Telefonische Geburtshilfe in der Kreisleitstelle MK: Nach 180 Sekunden ist das Wunder auf der Welt

Ronny Mayer, Disponent im Brandschutz- und Rettungsdienstzentrum Rosmart, wurde nicht zum ersten Mal zum telefonischen Geburtshelfer. – © Eileen Bräuniger / Märkischer Kreis

Märkischer Kreis. (pmk) Medizinische Einsätze, Unfälle, Brände: Wer als Disponent in der Kreisleitstelle im Brandschutz- und Rettungsdienstzentrum Rosmart arbeitet, kann gut kommunizieren, ist teamfähig und nervenstark.

Manche Anrufe bleiben unvergessen. Zum Beispiel, wenn gerade ein Kind zur Welt kommt. Ronny Mayer aus Balve war telefonischer Geburtshelfer.

Wer Ronny Mayer zuhört, der weiß: hier arbeitet jemand, der seinen Job liebt, der ihn versteht und ihn perfekt beherrscht. Kein Wunder: seit 2009 nimmt Ronny Mayer die Anrufe in der Kreisleitstelle des Märkischen Kreises entgegen. Dutzenden Menschen hilft er täglich. Mehrere Zehntausend mögen es in den vergangenen 15 Jahren gewesen sein.

Wer in einer medizinischen Notlage steckt, wer nach einem Unfall oder während eines Brandes die 112 wählt, der landet in der Kreisleitstelle. Eine Disponentin oder ein Disponent wird abnehmen, ruhig sprechen und eine strukturierte Notrufabfrage durchführen. Hier fühlt man sich im Notfall gut aufgehoben. Im vergangenen Jahr haben die Disponenten mehr als 215.700 Anrufe entgegengenommen, davon 97.576 Notrufe. Hier gab es beachtliche 551 Telefon-Reanimationen – also im Durchschnitt fast zwei Reanimationen pro Tag. Hier wird also Leben gerettet! Und Leben ermöglicht.

Freundin der werdenden Mutter ruft an

Zugegeben: der Anruf, der Disponent Ronny Mayer Anfang Juli 2023 erreicht, fällt nicht unter die Kategorie „Alltag“. Eine Frau ist am Telefon. Sie ist angespannt, aufgeregt, spricht schnell. Und ebenso schnell wird klar: Nicht sie ist in einer Notlage, sondern eine Freundin von ihr. Die sei hochschwanger, allein zu Hause, könne nicht mehr aufstehen, geschweige denn ins Krankenhaus fahren. Die Geburt der kleinen Tochter stehe unmittelbar bevor.

Ronny Mayer hat die Adresse und die Telefonnummer und ruft die werdende Mutter in Lüdenscheid an. Sie nimmt – zum Glück – ab, hat allerdings große Schmerzen. Die Fruchtblase? Bereits geplatzt. Direkt ist dem Disponenten klar: hier handelt es sich um einen sogenannten „R2“ – einen Rettungsdiensteinsatz mit Notarzt. Auch die Feuerwehr wird von Ronny Mayer alarmiert. Denn die Frau wird die Tür nicht öffnen können.

Glücksmoment für alle Disponenten

Ronny Mayer, selbst dreifacher Familienvater, wird telefonischer Geburtshelfer. Er weist die Frau an, was sie machen soll, wie sie atmen muss. Nach 180 Sekunden ist das Wunder perfekt – weil auf der Welt. „Ich habe das Mädchen am Telefon weinen hören“, erzählt der Balver mit einem Lächeln im Gesicht. Kurze Zeit später sind Feuerwehr, Rettungsdienst und Notarzt vor Ort. Mayer: „Es war eine wunderschöne Nachricht, dass Mutter und Kind wohlauf sind. Nicht nur für mich persönlich, sondern für alle, die in der Kreisleitstelle arbeiten. Alle haben sich riesig gefreut. Wir haben uns abgeklatscht. Es war ein toller Tag.“

Geburtshilfe am Telefon kommt selten vor, ist aber kein Einzelfall. Der Frau aus Lüdenscheid im Juli 2023 folgt zu Beginn dieses Jahres eine Frau aus Altena, die von Ronny Mayer auf dem Weg zur Geburt ihres Sohnes begleitet wird. Wieder gibt es zum Glück keine Komplikationen. Mutter und Kind sind beim Eintreffen der Feuerwehr und des Notarztes gesund – und überglücklich. Für Ronny Mayer und sein Team ein weiterer Glückstag. „Manchmal“, erzählt der Disponent, „erreichen uns in der Leitstelle Süßigkeiten oder ein Dankesbrief. Das muss nicht sein, denn was wir tun, ist selbstverständlich und uneigennützig. Wir freuen uns natürlich trotzdem.“

Top Equipment und Arbeitsbedingungen

Neben seiner nicht-alltäglichen Rolle als telefonischer Geburtshelfer ist Ronny Mayer als ausgebildeter Brandmeister und Notfallsanitäter mit der Aus- und Fortbildung der Leitstellen-Kolleginnen- und Kollegen als Praxisanleiter betraut. Mit den Disponentinnen und Disponenten ist er im Mai 2021 von der Leitstelle Lüdenscheid in das Brandschutz- und Rettungsdienstzentrum nach Altena-Rosmart umgezogen. „Arbeitsbedingungen und Equipment sind hier 1A“, sagt Mayer.

Wer fast 100.000 Einsätze im Jahr abarbeitet, der hat auch ein sehr gutes Arbeitsumfeld verdient. Dazu zählen unter anderem höhenverstellbare Schreibtische und Monitore, bodentiefe Fenster, die den Raum mit Licht fluten, eine leistungsstarke Klimaanlage, Deckenlampen, die die Arbeitsplätze individuell ausleuchten, Schallschutz-Elemente sowie eine hervorragende Raumakustik. Das „Herzstück“ der Kreisleitstelle ist eine mehr als 15 Quadratmeter große Medienwand, an der von jedem der zehn Arbeitsplätze sämtliche Alarmierungen und wichtige Informationen eingesehen werden können. „Bei Unwettern lassen sich darauf sogar Wetterkarten einblenden“, berichtet Ronny Mayer – manchmal auch telefonischer Geburtshelfer aus Balve.

Hintergrund

Die Einsatzzahlen in den Bereichen Rettungsdienst, Brand- und Bevölkerungsschutz 2023 im Überblick:
• Notfallrettung: 42.365 Einsätze (2022: 44.528; 2021: 38.658)
• Krankentransport: 16.474 Einsätze (2022: 17.803; 2021: 16.359)
• Feuerwehr: 2.511 Einsätze (2022: 2.730, 2021: 1.195)
• technische Hilfeleistung: 6.027 Einsätze (2022: 5.450; 2021: 5.538)
• Katastrophenschutzeinsatz: 23 Einsätze (2022: 26; 2021: 27)
• Unwetter: 308 Einsätze (2022: 552; 2021: 1.566)
• Auskunft / Beratung / Vermittlung: 54.584 Einsätze (2022: 37.840; 2021: 30.223)




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