Werden spekulative Finanzinstrumente in Deutschland bald verboten?

Binäre Optionen und CFDs könnten unter Umständen in Europa oder einzelnen Staaten wie Deutschland verboten werden. Nach den Vorstellungen von BaFin-Experten und Verantwortlichen aus der europäischen Finanzbehörde European-Securities and Markets Authority (ESMA) widersprechen diese Finanzinstrumente dem Anlegerschutz, weil sie zu intransparent sind und bei Privatanlegern überwiegend zu Verlusten führen.​

Die Haltung der BaFin zu CFDs und Binären Optionen​


Bei der BaFin ist Elisabeth Roegele Aufsichtschefin über den Wertpapierhandel. In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ äußerte die Finanzexpertin Ende 2016 ihre Bedenken gegenüber CFDs, Binären Optionen und Bonitätsanleihen. Die Intention der BaFin geht offenbar dahin, diese Produkte aus Gründen des Anlegerschutzes verbieten zu wollen. Das ist nicht ohne Weiteres möglich, juristisch aber machbar. In Deutschland wurde 2015 das Wertpapierhandelsgesetz neu formuliert, seither darf die BaFin einzelne Finanzprodukte prinzipiell verbieten. Sie muss dies allerdings sehr gut begründen, das Verbot muss auch zielführend sein.
Das wäre es im Falle der genannten Produkte kaum, weil diese online von Brokern auf der ganzen Welt angeboten werden.
Auch moralisch wäre eine Begründung schwer zu untermauern:Reines Glücksspiel und Sportwetten sind trotz zwischenzeitlicher Diskussionen hierüber auch erlaubt. Ein Verbot von CFDs steht seit der Kursfreigabe des Schweizer Franken Anfang 2015 auf der Agenda der Finanzbehörden. Dieser sogenannte “Frankenschock” hatte bei Anlegern und Brokern zu herben Verlusten geführt, es gab sogar Brokerinsolvenzen.

Kommt das Spekulationsverbot der BaFin?​


Einige europäische Finanzaufsichtsbehörden haben ihre Anforderungen an die Broker im CFD-Bereich bereits angepasst, darunter die britische FCA und die zypriotische CySEC. Die CFD-Hebel für Einsteiger mussten abgesenkt werden, die CySEC weist ihre Broker vorerst per Empfehlung auf die Unangemessenheit von Boni hin. Ein Verbot könnte folgen. Die BaFin prüft
wohl tatsächlich ein CFDVerbot, auch die Binären Optionen könnte sie versuchen zu unterbinden. Das dürfte aber einige Zeit dauern und schwierig werden, weil die entsprechenden Broker überwiegend ihren Sitz außerhalb von Deutschland haben. Doch niemand kann und darf deutschen Anlegern die Inanspruchnahme ihrer Dienstleistungen untersagen, dem steht zumindest in der EU die Dienstleistungsfreiheit entgegen, die schließlich auch andere Finanzprodukte (Kredite, Geldanlagen) betrifft. Selbst wenn es durch die ESMA ein europaweites Verbot der entsprechenden Finanzprodukte gäbe, könnten Trader ohne Probleme auf einen Broker außerhalb der EU ausweichen. Da das die Verantwortlichen in den Finanzbehörden wissen, dürften sie sich mit einem Verbot schwertun. Solche Verbote werden immer wieder diskutiert, auch im Bereich der Sportwetten oder des Glücksspiels, sie kommen aber (auch historisch betrachtet) selten oder nie. Eher erhöht der Staat die Steuern auf die entsprechenden Aktivitäten. Das Interview von Frau Roegele mit der “Welt am Sonntag” könnte auch eine Warnung an die Broker gewesen sein, von denen einige wirklich schon in vorauseilendem Gehorsam ihre Boni einschränken und die Hebel bei CFDs reduzieren.​

Fazit: Was ist realistisch bei CFDs und Binären Optionen zu erwarten?​


Ein Bonusverbot könnte kommen, vielleicht gibt es auch einmal eine gesonderte Steuer auf solche Produkte. Diese ist dann sehr klein und beim Einzelgeschäft kaum wahrnehmbar. Die CFD-Hebel dürften für Einsteiger sinken. Bei Binären Optionen werden die Finanzbehörden die Broker strenger unter die Lupe nehmen, um dem Anlegerschutz gerecht zu werden. Ein Verbot solcher Produkte kann natürlich auch kommen, steht aber wohl unmittelbar nicht bevor.

Redaktion

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