Iserlohn. (MK) Das Sturmtief „Xavier“ sorgt derzeit in NRW für Sturmböen und Unwetter. Mittendrin im Sturmtief, aber noch tiefer im sportlichen... Pasanen, Mende & Co unter Erfolgsdruck / Eklund und Lehr ergänzen den Kader der Roosters
Oscar Eklund

Oscar Eklund – © by Sportstimme.de (MK)

Iserlohn. (MK) Das Sturmtief „Xavier“ sorgt derzeit in NRW für Sturmböen und Unwetter. Mittendrin im Sturmtief, aber noch tiefer im sportlichen Tief befinden sich derzeit die Iserlohn Roosters aus der Deutschen Eishockey Liga. Mit nur sieben Punkten aus den ersten neun Spielen, bei nur 16 selbst erzielten Toren ist es für die Verantwortlichen, die Trainer und das Team im Moment äußerst ungemütlich am Seilersee.

Mitten in der englischen Woche ereilte die Roosters zur sportlichen Talfahrt auch noch das Verletzungspech. Top-Torhüter Sebastian Dahm ist mittlerweile in Behandlung, muss aber glücklicherweise nicht operiert werden und fällt voraussichtlich zwei Monate aus. Stürmer Chad Costello wird am Montag operiert. Dabei wird man die Schwere der Verletzung feststellen und anschließend eine Prognose über dessen Ausfallzeit erhalten. Schlimm hat es auch Marcel Kahle an der ohnehin schon mehrfach lädierten und operierten Schulter erwischt. Bei ihm steht in Kürze eine Kernspinuntersuchung an, die ebenfalls genauere Aufschlüsse bringen wird.
Für das anstehende Spielwochenende mit dem Heimspiel am Freitag gegen Berlin und dem Derby am Sonntag (19 Uhr) bei den Krefeld Pinguinen muss Trainer Jari Pasanen auch auf Verteidiger Christopher Fischer verzichten. Der war zwar heute auf dem Eis, aber ein Einsatz kommt zu früh. Routinier Boris Blank wird wohl wieder auf die Zähne beißen und versuchen zu spielen.
Da man offiziell seit einiger Zeit nur die offizielle Schreibweise Unter- bzw. Oberkörperverletzung kommuniziert haben möchte, belassen wir es an dieser Stelle ganz simpel bei der Information „verletzt“.

Um die Lücken zu schließen, die durch die längerfristigen Ausfälle entstanden sind, hat die sportliche Leitung bereits unter Hochdruck reagiert.

Schon am Seilersee eingetroffen ist der schwedische Verteidiger Oscar Eklund, der die Erfahrung aus über 450 Erstligaspielen in Skandinavien mitbringt. Zudem hat er in der schwedischen Nationalmannschaft und in der Champions Hockey League Erfahrungen sammeln können. Zuletzt war er vertragslos. Wohl auch deshalb, weil er sich in der Sommerpause einer Schulter-OP unterziehen musste. Manager Karsten Mende hatte den 29- jährigen schon in der vergangenen Saison beobachten können. „Oscar hat uns bei unseren Scoutingtouren als guter Schlittschuhläufer überzeugt, ist ein sehr verantwortungsvoll agierender Spieler. Wie lange er braucht, sein Timing für das Spiel nach der langen Sommerpause zu finden, bleibt abzuwarten, er hat sich allerdings in den letzten Wochen bereits intensiv vorbereitet“, so Mende.

Nun hat das Engagement also doch noch geklappt. Eklund selbst freut sich auf seine Zeit am Seilersee. Aus seinem neuen Team kennt er bislang noch keinen Spieler und hat auch bis auf wenige Spiele gegen deutsche Champions League Teilnehmer wenig Erfahrungen mit DEL-Teams.

Trainer Jari Pasanen hat ihn aber schon mit dem Defensivsystem der Sauerländer vertraut gemacht. Seinen Einstand wird er voraussichtlich an der Seite seines Landsmanns Johan Larsson geben. Der wird ihm sicherlich auch einige Tipps über Liga und Umfeld geben können, wurde er doch im Laufe der letzten Saison selbst von den Roosters nachverpflichtet und kennt auch diese Situation.
„Wunderdinge“ sind vom Neuzugang sicherlich nicht zu erwarten, hat er doch in dieser Saison noch kein einziges Spiel absolviert und muss sich erst noch im neuen Umfeld „einleben“.

Philip Lehr

Philip Lehr – © by Eh.-Mag. (MT)

Ebenfalls am Seilersee eingetroffen ist mit Philip Lehr ein junger Goalie. Der 24- jährige hat die Talentschmieden in Berlin und Mannheim durchlaufen und war schon als Backup in Mannheim, Heilbronn, Frankfurt und Nürnberg gelistet. In der vergangenen Saison sammelte er Spielpraxis in Weiden (Oberliga Süd). Mit dem damals etwas erfahreneren Thomas Ower hat man bei den Roosters vor drei Jahren in einer ähnlich schwierigen Situation gute Erfahrungen gemacht. Lehr soll die Roosters als Backup im Spiel- und Trainingsbetrieb unterstützen.

Völlig ausgeschlossen ist aber auch nicht, dass man eine Ausländerlizenz für diese wichtige Position neben Mathias Lange „opfern“ wird. Das wird wohl vom Heilungsverlauf bei Sebastian Dahm und von der Leistungsstärke Lehrs abhängen.

Nach den beiden frustrierenden Niederlagen gegen Düsseldorf (1:5) und in Ingolstadt (0:5) hat das Trainergespann Jari Pasanen / Jamie Bartman die Reihen zwangsläufig verändern müssen. Mathias Lange ist im Tor gesetzt. Neben dem neuen schwedischen Abwehrpärchen Larsson / Eklund werden im Sturm Combs, Jaspers und Friedrich eine neue Formation bilden. Blank, Bassen und Salmonsson sollen ebenso wie die Formationen Shevyrin / Turnbull / Florek und Weidner / Down / Brown für mehr Durchschlagskraft sorgen.

Die Eisbären Berlin reisen mit der Empfehlung eines 4:2 Auswärtssieges am Dienstag in Düsseldorf an. Jari Pasanen erwartet, ähnlich wie München, ein sehr kompaktes und sehr tief störendes Team. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Eisbären auch in der Tiefe stärker aufgestellt und lauffreudiger geworden.
Der Einsatz von Kapitän André Rankel und Nationalverteidiger Frank Hördler ist fraglich. Während Hördler heute schon wieder auf dem Eis mit dem Team trainierte, war Rankel nur im Kraftraum und auf dem Fahrrad im Einsatz.
„In Iserlohn ist es immer hart zu spielen, egal wie die Tabellensituation ist“, sagte Eisbären-Chefcoach Uwe Krupp am Donnerstag. „Wir wollen auch gegen die Roosters konstant, kontrolliert und diszipliniert auftreten.“

Im Märkischen Sauerland ist die sportliche Misere der Roosters nicht nur Gesprächsthema Nummer eins an den Stammtischen. Saisonübergreifend haben die Iserlohner seit dem Rauswurf der „Quertreiber“ Jones und Halischuk Ende Januar aus 18 Spielen 18 Punkte gesammelt. Verständlich, dass die schwachen Auftritte des neuen Teams in der laufenden Spielzeit bei vielen Anhängern Erinnerungen an die enttäuschende letzte Serie wecken und viele auch keine Besserung erkennen.
Vor allem in den sozialen Netzwerken werden personelle Konsequenzen gefordert. Trainer Jari Pasanen und Manager Karsten Mende sind hierbei besonders in die Schusslinie der Anhänger geraten.

Klubchef Wolfgang Brück hat sich am Mittwoch öffentlich zu Wort gemeldet.
„Ich halte fest, dass wir eine völlig andere Geschlossenheit in der Mannschaft haben, als in der letzten Saison und ich habe gesehen, wozu das Team in der Lage ist. Es war und wird nie mein Stil sein, Ultimaten auszusprechen. Deshalb wird man solche Äußerungen von mir nicht hören. Vor allem geht es darum, dem gesamten sportlichen Bereich mit aller Tatkraft zur Seite zu stehen, die wir als Clubführung zu leisten im Stande sind und das werden wir auch tun“, wird Brück auf der offiziellen Webseite des Klubs zitiert.

Wie so oft im Profisport gehen in solch schwierigen Situationen Versuche von Funktionären die Wogen zu glätten, Vertrauen auszusprechen und den Klub in ruhigem Fahrwasser zu halten bei einigen Anhängern „nach hinten“ los. Seit der Veröffentlichung der Brück-Zitate nahm die Schärfe in den sozialen Netzwerken noch einmal zu.
In diesem Punkt unterscheidet sich der emotionalste DEL-Standort Iserlohn also nicht von Fußballklubs wie Schalke oder dem HSV.

Sturmtief „Xavier“ wird sich am Wochenende wieder beruhigen und aus NRW verziehen. Bis die Roosters aus ihrem Tief sind wird es sicherlich einige Wochen dauern. Es helfen nur Siege. Ansonsten drohen ungemütliche Zeiten im Tabellenkeller mit personellen Konsequenzen.

Erstes Bully ist am Freitag gegen Berlin um 19:30 Uhr. In Krefeld wird die Partie erst um 19 Uhr angepfiffen.

Redaktion

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